Rosarot ist es im Werkwarenhuis, aber von Kitsch keine Spur. Der Startpunkt für eine Design-Radtour könnte nicht besser gewählt sein. In der ehemaligen Futtermittelfabrik am Rande von 's-Hertogenbosch hat nämlich die Kreativität Einzug gehalten. Design trifft hier auf Industrie-Charme. Gearbeitet wird im Werkwarenhuis immer noch, aber jetzt auf besondere Art und Weise.
Auch in Heusden, dem Ziel unserer Tour, steht heute für uns der Hände Arbeit im Mittelpunkt. Im tollen Ambiente dieses wunderschönen Städtchens erleben wir traditionelles Handwerk mit einem modernen Twist.
Soziales Design
Eine Tasse heißen Kaffee wartet auf uns im Werkwarenhuis und dazu, wie kann es anders sein, eine unwiderstehliche Bossche Bol. Diese Spezialität der Stadt 's-Hertogenbosch, oder in kurz Den Bosch, kann ich zwar nicht essen ohne hinterher Gesicht und Finger von Schoko und Sahne befreien zu müssen, aber ein Nein dazu ist wirklich unmöglich.
Bevor wir uns Kalorien-gestärkt auf die Fahrräder schwingen, schauen wir uns noch etwas um in der ehemaligen Fabrik. Die Initiative Social Label steht hinter dem Konzept des Werkwarenhuis. „Mit Design soziale Unterschiede überwinden und ein besseres Zusammenleben in der Gesellschaft ermöglichen“ ist das erklärte Ziel, verrät uns Petra Janssen.
In Zusammenarbeit mit bekannten niederländischen Designern erarbeiten und gestalten hier Menschen mit Abstand zum Arbeitsmarkt, wie es so schön im Fachjargon heißt, hochwertige Design-Produkte. Leute mit psychischen Problemen oder einer Drogenkarriere nicht nur beschäftigen, sondern ihnen Stolz und Eigenwert zurückgeben, strebt Social Label an.
Die Produkte, die im Werkwarenhuis-Shop erhältlich sind, können sich wahrlich sehen lassen. Nicht alles trifft meinen Geschmack, die Jacke aus recyceltem Zelttuch hat es mir indessen sofort angetan. Aber es kann in der ehemaligen Fabrik nicht nur geshoppt werden, auch kulturelle Veranstaltungen und kulinarischer Genuss im integrierten Restaurant gehören mit zu diesem tollen Konzept.
Rauf aufs Rad
Bevor wir jedoch die Köstlichkeiten des integrierten Restaurant van Aken testen, geht es erst einmal aufs Fahrrad. Eine Strafe ist dies keineswegs. Das Wetter ist einfach perfekt und die Radstrecke am Fluss entlang wunderschön. Saftige grüne Wiesen säumen die Ufer der Maas und ab und zu gleitet ein Boot mit Urlaubern vorbei. Sogar auf die Kühe, die sich im Gras niedergelassen haben, hat das Szenario ganz offensichtlich eine entspannende Wirkung.
Eigentlich viel zu schnell sind wir in Heusden, die knapp 20 km bis dorthin sind wie im Flug vergangen. Dass dieses Städtchen etwas Besonderes ist, merken wir gleich am Ortsrand. Wir radeln an Wassergräben und Festungsmauern entlang, das Kopfsteinpflaster der Straße rüttelt uns ordentlich durch.
In den Gassen des Zentrums wehen bunte Fahnen und schön gemalte Schilder verraten, was es im dahinterliegenden Laden zu kaufen gibt. Neonreklame ist hier im denkmalgeschützten Ortskern verboten und das ist einfach wunderbar schön.
Festungsstadt Heusden
Ehe wir uns das Städtchen näher ansehen, brauchen wir erst mal eine Stärkung. Gleich am zentralen Fischmarkt ist im Restaurant In den Verdwaalde Koogel, übrigens auch das Hotel im Ort, schon der Tisch für uns gedeckt. Seit ziemlich genau 30 Jahren führen Auke Rauwerda und seine Frau Monique das Hotel-Restaurant, das seinen Namen einer verirrten Kugel verdankt, die noch heute in der Mauer des Gebäudes aus dem Jahr 1620 steckt.
Mit einer ganzen Palette an Köstlichkeiten werden wir verwöhnt. Eine vorzügliche Suppe von Hummer wird uns serviert und dazu eine Auswahl an leckeren Häppchen. Von Auster bis Gänseleberpastete, vom Ei einer Wachtel bis zu knusprig gebratenem Fleisch. Der frische Sauvignon Blanc passt perfekt dazu und gibt auch gleich einen angenehmen Schwung für den Nachmittag.
Mit dem Stadtführer Carel Beckeringh geht es auf Entdeckungstour. Unter dem Motto „Handmade in Heusden“ besuchen wir wunderbare Ateliers und Läden in der Stadt. Wir lernen, wie aufwendig das Herstellen von handgefertigten Bordüren für die Kleider der Haute Couture ist und in der Parfümerie erfahren wir, wie ein individueller Duft entsteht. Bei Mary Stoop in der Hoedtique gibt es auf Wunsch einen individuell angefertigten Hut und wer eine Kerze braucht, ist im Kerzenstall gegenüber genau richtig.
Passend zum mittelalterlichen Ambiente des Städtchens zieht Toon Verschuren hier seine Kerzen wie in alten Zeiten. Beim Zuschauen wird mir eines gleich deutlich, sehr viel Geduld braucht man für dieses Fach. Nur langsam wird die Kerze beim Eintauchen in das geschmolzene Paraffin Lage für Lage dicker. Auf Farbe im Paraffin verzichtet Toon übrigens ganz bewusst, erklärt er uns. Die Farbpartikel im Wachs sorgen nämlich dafür, dass die Kerze ungleichmäßig brennt und dazu noch rußt. Wieder was gelernt.
Begeistert hat mich auch das Atelier von Els de Meijer. Sie hat sich einem natürlichen Material angenommen, das etwas in Ungnade gefallen ist. „Zacht“, also weich, nennt sie ihr Atelier passenderweise, denn sie verarbeitet samtweichen Pelz. Sie nimmt sich den alten Pelz-Mänteln und Kragen an, die in so manchem Schrank ihr Schattendasein fristen. Keinen neuen Pelz verarbeitet sie zu individuellen Produkten, sie recycelt zu 100 %. Kuschelweiche Decken aus Nerz und Kaninchen, von denen ich kaum die Finger lassen kann, so angenehm fühlt es sich an. Auch moderne Jacken aus dem alten Nerzmantel der Oma schneidert Els sozusagen auf den Leib.
Und es wird Abend
Noch ein kleiner Spaziergang durch das hübsche Heusden und ein Besuch in der einen oder anderen Galerie, dann wird es Zeit für den Rückweg. Schließlich haben wir noch ein paar Fahrrad-Kilometer vor uns zurück nach Den Bosch, wo wir uns im Werkwarenhuis an den Tisch des Restaurant van Aken setzen dürfen.
Das Barbecue ist ein perfekter Abschluss für unsere heutige Design-Radtour. Große Schüsseln voller Salate und Platten voller Gemüse, Fisch und Fleisch stillen auch den allergrößten Hunger. Gegrillte Forellen werden von leckerstem Lachsfilets abgelöst und nach den Kalbsmedaillons gibt es herrlich würzigen Schweinebauch aus dem Big Green Egg.
Ich bin wirklich pappsatt und sehr froh, dass wir noch einen kleinen Fußmarsch vor uns haben, bevor wir ins Bett fallen können. Eine gute Viertelstunde schlendern wir durch Den Bosch bis zum wunderbaren B&B De Blauwe Pauw, wo wir eine wahrlich geruhsame Nacht verbringen.
So sind wir dann auch frisch und munter am nächsten Morgen. Und das ist gut so, denn es wird wieder geradelt - Teil 2 der Design-Radtour wartet auf uns.
Reiseinfos zur Brabant Design-Radtour
Radtour von 's-Hertogenbosch nach Heusden und zurück
Länge: 41,3 km
Knotenpunkte: 51 - 50 - 49 - 48 - 46 - 45 - 41 - 82 - 1 (Heusden) - 58 - 86 - 88 - 89 - 42 - 43 - 57 - 58 - 55 - 21 - 54 - 84 - 85 - 86 - 87 - 52 - 51
Ihr könnt euch die Route auch auf fietsnetwerk.nl oder route.nl anschauen, herunterladen bzw. mithilfe der dazugehörigen App abfahren. Oder ihr nutzt die App "Routes in Brabant", dort ist die Route unter dem Namen "Designroute Den Bosch en Heusden" zu finden.
Werkwarenhuis
Tramkade 20-24, 's-Hertogenbosch
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10.30 - 18 Uhr, Freitag ebenfalls ab 10.30 Uhr, Samstag ab 17 Uhr und am Sonntag von 15 - 21 Uhr
Am Freitag und Samstag Abend wird ein wöchentlich wechselndes Menü im Restaurant van Aken angeboten. Eine Reservierung vorab ist ratsam.
Hotel Restaurant In den Verdwaalde Koogel
Vismarkt 1, Heusden
Sehr gutes Restaurant mit großer Terrasse direkt am Marktplatz und mit reichhaltigem Angebot für Frühstück, Mittag oder Abendessen.
Wer über Nacht bleiben möchte, kann dort über booking.com ein Doppelzimmer mit Frühstück ab 85,- Euro buchen.
Stadtführung "Made in Heusden"
Dauer: ca. 90 Minuten
Kosten: 4,50 Euro pro Person
Reservierung über das Touristenbüro von Heusden. Auch eine "normale" Stadtführung auf Deutsch wird dort angeboten.
Alle im Artikel genannten Läden und Ateliers sind wie die vielen anderen Geschäfte in Heusden zu den normalen Ladenöffnungszeiten geöffnet und können natürlich auch ganz ohne Führung besucht werden. Übrigens auch am Sonntag Nachmittag.
B&B De Blauwe Pauw
Wunderschönes und geschmackvoll eingerichtetes Boutique Hotel / Bed and Breakfast in 's-Hertogenbosch in einer alten Fabrikantenvilla. Sehr zentral und dennoch ruhig gelegen stehen 7 unterschiedliche Zimmer zur Verfügung. Tolles Ambiente und hervorragendes Bett! Am Morgen leckeres Frühstück im "Wohnraum" oder auf der Terrasse im wunderschönen Garten.
Auch zu buchen über booking.com (Unbedingt die hervorragenden Bewertungen lesen!)
Hinweis: Zur Design-Radtour wurden wir eingeladen von Routes in Brabant / Visit Brabant.
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